Die taube Zeitmaschine

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Sie sind überall. Auf der Straße, im Bus, auf dem Bahnhof. Immer starren sie uns an, wenn wir plaudern: die Hörenden. Doch was wissen sie über uns? Sie glauben, Gebärdensprache ist Pantomime oder international. Sie verstopfen sich die Ohren und meinen dann zu wissen, wie wir die Welt sehen. Sie denken, wir sind krank. Und sie wissen nichts von unserer Geschichte.

Ein Theaterstück über Deaf-History, gespielt von Gehörlosen und Hörenden für Gehörlose und Hörende, in Gebärdensprache, Lautsprachbegleitenden Gebärden und Lautsprache, mit Spiel, Film, Livecam, Diskussion, Schrift und Musik. Der Inhalt basiert auf historischen Recherchen, Zeitzeugeninterviews und Improvisationen der Teilnehmer, die auf ihre eigenen Erfahrungen zurückgreifen.

LOT Theater Braunschweig – 23.September 2016 um 10 & 19 Uhr

Ernst Deutsch Theater Hamburg – 13.September 2016 um 19.30 Uhr

Parieté – Gala – Pfefferberg Theater Berlin – 9. September 2016 um 19.30 & 21 Uhr

Ballhaus Ost Berlin– 7. und 8. Mai 2016 um 20 Uhr

Sommerblut Festival der Multipolarkulturen Köln 4.Mai 2016 um 20 Uhr

Ballhaus Ost Berlin– 11. – 13. Dezember 2015 um 20 Uhr

Schauspiel Essen – Grillo-Theater – 20. September 2015 um 19 Uhr

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Nachgespräch mit dem Ensemble statt.

Parieté – Gala – Pfefferberg Theater Berlin – 4. September 2015-20 Uhr

Ballhaus Ost Berlin– 12. – 14. Juni 2015 um 20 Uhr

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Nachgespräch mit dem Ensemble statt.

Ballhaus Ost Berlin– 23. – 25. Januar 2015 um 20 Uhr

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Nachgespräch mit dem Ensemble statt.

Ballhaus Ost Berlin– 13. und 14. Dezember 2014 um 20 Uhr

Ballhaus Ost Berlin– 12. Dezember 2014 um 20 Uhr – Premiere

 

 

Wenn die eigene Vergangenheit in den Geschichtsbüchern nicht vorkommt, ist diese unsichtbar.

Acht gehörlose und vier hörende Darsteller gehen gemeinsam auf eine abenteuerliche Reise durch die Geschichte der Gehörlosen. Eine erstaunliche und weitgehend unbekannte Geschichte einer lebendigen Gemeinschaft mit eigener Sprache und Kultur, aber auch von der Verfolgung und Unterdrückung einer Minderheit durch eine Mehrheit. Wie sieht es nun im Jahr 2014 aus? Ist die Zeit der Bevormundung vorüber? Was wissen wir denn überhaupt voneinander? Und was ist eigentlich ein Cochlea-Implantat?

Mit Hilfe von historischen Recherchen, Zeitzeugeninterviews, Video, und Improvisationen der Performer, die auf eigene Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern basieren, wird die Geschichte der Gehörlosen erzählt. Improvisationen werden verknüpft, das Improvisierte wird zum Text, zur Szene, zum Stück, das einen Bogen von Abbé de L’Epée über die NS-Zeit zum Cochlea-Impantat spannt.

von und mit Asya Avagyan, Johanna Böttcher, Hend El-Kadi, Emilia von Heiseler, Inara Ilyasova, Erdal Kar, Eyk Kauly, Peter Marty, Nikola Vujicic, Frank Weigang, Wille Felix Zante, Cordula Zielonka

Leitung Michaela Caspar, Stück nach Improvisationen der Gruppe Till Nikolaus von Heiseler, Raum & Komposition Jan-Peter Sonntag, Gebärdensprachübertragung & Körperarbeit Anka Böttcher, Kostüm Gabriele Wischmann, Video Jens Kupsch, Dramaturgie & Recherche Rafael Ugarte Chacón & Wille Felix Zante, Produktionsleitung Daniel Schrader, Assistenz & Fotografie Max Neu,  Praktikanten Jana Bienroth, Lena Klein, Thamara Logeswaran, Martin Weller

Eine Produktion in Kooperation mit dem Ballhaus Ost Berlin

GEFÖRDERT DURCH AKTION MENSCH, DEN PROJEKTFONDS KULTURELLE BILDUNG BERLIN UND DEN FONDS SOZIOKULTUR

  Wie war es früher? Gehörlose Zeitzeugen berichten

Wenn man in Archiven und Bibliotheken zur Geschichte der Gehörlosen forscht, stehen zumeist doch die Hörenden im Vordergrund. Hörende Ärzte, Lehrer, Geistliche, Philosophen, Linguisten oder Politiker, die sich mit Taubheit und Gebärdensprache beschäftigt haben. Es sind die Hörenden, die Bücher und Dokumente über Gehörlose verfasst haben. Doch wie haben die Gehörlosen selbst empfunden? Woran erinnern sie sich? Was haben sie uns zu sagen?

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Wir haben gehörlose Seniorinnen und Senioren befragt: Wie war es früher in der Schule? War Gebärdensprache verboten? Wie war es, sprechen zu lernen? Wurden Sie von den Nazis verfolgt? Wie haben Sie den Krieg erlebt? Und ist es heute leichter für Gehörlose?

Die Interviews wurden gefilmt. Zwei kurze Ausschnitte sind unten zu lesen. Mehr gibt es in den Theateraufführungen zu sehen. Langfristig sollen die verschiedenen Interviews zu einem Film zusammengefügt werden.

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Die junge Darstellerin C. interviewt die Seniorin Frau K.

C: Hatten Sie Sprechunterricht? War das schwer?

K: Die Sprache zu lernen, war sehr schlimm. War grausam. Weil ich auch oft den Ton nicht richtig formulieren konnte. Also musste ich immer wiederholen, immer wieder wiederholen. Wenn man nicht hören kann, ist es schwierig, die richtige Aussprache zu führen. Es waren neun harte Jahre gewesen für meine Großmutter, um mich so weit zu bringen. Sobald ich etwas nicht richtig ausgesprochen habe, beim dritten, vierten Mal, bekam ich eine Schelle. Das war nicht schön. Ich bin auch aus dem Fenster gesprungen aus dem ersten Stock, weil ich nicht mehr sprechen wollte, ich wollte meine Ruhe haben. Es war sehr streng. Deswegen hatte ich auch keine schöne Kindheit. Das ist ein Vorteil und Nachteil, dafür kann ich heute gut reden. Wenn sie mich nicht dazu gezwungen hätte, würde ich wahrscheinlich heute nicht sprechen können.

C: Wo ist Ihre Heimat?

K: Meine Heimat ist die Gehörlosenwelt. Zurück zu der hörenden Welt möchte ich nicht mehr gehen. Ist zu anstrengend für mich. Ich muss alles vom Mund ablesen. Früher konnte ich das noch leisten, aber jetzt funktioniert das nicht mehr, vorbei.

C: Welchen Beruf haben Sie gelernt?

K: Ach wunderbar, eine schöne Frage, die Sie mir stellen. Keinen Beruf hab ich gelernt. Damals war das nicht möglich gewesen, dass man technische Zeichnerin oder Friseuse werden kann. Heute sieht die Welt schon ganz anders aus. Es wird auch mehr für die Gehörlosen getan. Und ich find das gut, dass die Jungen heute mehr Selbstbewusstsein haben. Find ich toll.

C: Was glauben Sie, was Hörende über Gehörlose denken?

K: Wollt ihr wirklich die Wahrheit wissen? Die hörenden Menschen, besonders in Deutschland, die denken, die Taubstummen sind doof. Haben alle eine Macke. Bei den Blinden oder bei den Krüppeln hat man mehr Verständnis. Aber bei den Gehörlosen heute immer noch nicht. „Was soll ich mich mit dir abgeben? Du bist doch minderwertig.“ Das find ich richtig beschämend, wie die Hörenden die Gehörlosen behandeln, find ich einfach nicht gut.

C: Wenn Sie selbst noch mal geboren würden, möchten Sie hören?

K: Schön wär’s, wenn ich hören könnte und eine bessere Jugend haben würde, nicht so, wie ich es gehabt habe: Schläge, danke schön, ich möchte kein Kind mehr sein.

 

 

 

 

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Eine Antwort auf Die taube Zeitmaschine

  1. Siebert sagt:

    Ich bin so einfach enttäuschen, dass am 26. September 2015 um 19:30 Uhr in Staatstheater Braunschweig – Kleines Haus – dies Theaterstück stattfinden soll, aber es bläst vorgestern ohne Grund ab. Ich muss meine Karten zurückbringen.

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