FRÜHLING ERWACHE!
nach Frank Wedekind
Das Stück
gespielt von gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Jugendlichen für Gehörlose, Schwerhörige und Hörende in einer Inszenierung von Michaela Caspar
Die Welt des Hörens und die Welt des Taktilen und der Visualtität prallen aufeinander. Das für uns Selbstverständliche, die Verständigung mit Hilfe der Rede wird seltsam fremd. Über 90 % der Jugendlichen kommen aus Familien mit Migrationshintergrund. Um die Konflikte des Stückes über die ersten vorsichtigen Annäherungen an das andere Geschlecht aus den Erfahrungen der Jugendlichen und mit den Jugendlichen selbst zu entwickeln, wurden auch dokumentarische Videosequenzen in das Stück eingearbeitet, die sowohl die Jugendlichen als auch ihren familiären Hintergrund zeigen und Einblicke in eine fast völlig verborgene Welt gewähren.
In unserer Inszenierung spielen Gehörlose und Hörende Seite an Seite und erzählen gemeinsam dem Publikum eine Geschichte. Hiermit schließen wir an die Tradition des epischen Theaters an.
Für das epische Theater ist es zentral, dem Publikum etwas zu zeigen und einen Inhalt zu vermitteln. Die Gebärdensprache vermittelt, zeigt Gedanken, sie bedient sich wie das epische Theater für die Hörenden eines „Verfremdungseffekts" (Brecht). Sie ist - im Gegensatz zu allen Tonsprachen - dreidimensional und räumlich und damit theatral.
Mit diesem Film, den wir unter Wasser gedreht haben, endete unser Stück:
„Kommunikation jenseits der gelernten Pfade, verbale Sprache geht nicht mehr, schreiben, schauen, gebärden, work in progress... Wir spielen gemeinsam. Gehörlose, Schwerhörige und Hörende.
Presseinfo
Die Darsteller
Can-Ahmet Acar / Asja Avagnan / Rukiye Celik / Hend El-Kadi / Ali-Haydar Erdogan / Melek Güllü / Inara Iliassova / Mascha Nandzik/ Trung Duc Anh Nguyen / Van Quok Thai / Dusan Vujicic / Nicola/ Vujicic / Frank Weigang
sowie: Alward Hovsepyan / Simone Jaeger / Peter Marty / Radomir Vujicic / Snezana Vujicic / Cordula Zielonka
Das Team
Regie: MICHAELA CASPAR / Leiter der Schülergruppe: DIETER BECHER / Bühne: BURKHART ELLINGHAUS / Kostüme: PETRA KUBINSKI / Musik: ACHIM KUBINSKI / Kamera/Schnitt: JENS KUPSCH / Dramaturgie: TILL NIKOLAUS VON HEISELER / Graphik: ANTYA UMSTÄTTER, MARCEL FIEDLER / Theaterpädagogik: PREDRAG KALABA / Koordination: ANA STANIC / Internetseite: SOPHIA NABOKOV / Programmierung: DMYTRI KLEINER / Fotografie: KELLY PUTEIO, MATO PAVLOVIC
EINE PRODUKTION VON POSSIBLE WORLD E.V. IN KOOPERATION MIT DER ERNST-ADOLF-ESCHKE-SCHULE FÜR GEHÖRLOSE, GEFÖRDERT DURCH DEN BERLINER PROJEKTFONDS KULTURELLE BILDUNG UND AKTION MENSCH, MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON FÖRDERBAND, KULTURINITIATIVE BERLIN, E.V.
Die Inszenierung
Gehörlose und Hörende aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Hintergründen erarbeiteten gemeinsam 2009 eine eigene Inszenierung.
Wir werden gleichermaßen für Gehörlose und Hörende das Stück in derselben Inszenierung in zwei Dimensionen ausgestalten. Für die Gehörlosen wird es ein Stück sein, in dem fast jedes Wort verständlich sein wird, die Musik erfühlbar. Diese Verständlichkeit wird aber immer wieder die Ebene wechseln. Manchmal werden die Darsteller in Gebärdensprache spielen und von sprechenden Schauspielern „synchronisiert“ werden. Manchmal wird über einen Videobeamer ein(e) Übersetzer(in) eingeblendet, mal läuft eine Schrift über eine entsprechende Fläche usw. Für die Hörenden: Über die differenzierte Gestaltung der beiden „Kanäle“ des Hörens und des Sehens werden wir - auch im Bezug auf Stummfilm (dem ersten visuellen Massenmedium) - nicht nur auf unterhaltsame Weise eine Geschichte erzählen, sondern eine Ästhetik schaffen, in der das Publikum die Grunderfahrungen des Hörens und Sehens machen kann - gerade dadurch, dass immer auch mit dem Unterschied von Hören und nicht Hören gearbeitet wird. Die Inszenierung wird so vonstatten gehen, dass das gehörlose Publikum immer ein klein bisschen mehr Informationen bekommt als die Hörenden.
In der Inszenierung sollen die besonderen Fähigkeiten der Gehörlosen zum Tragen kommen, d.h. der Anspruch unserer Arbeit geht über die Sozialarbeit mit den Betroffenen hinaus und soll ein Podium für die Verständigung und den respektvollen Umgang von Hörenden und Gehörlosen miteinander bieten. Wir wollen weder Laientheater machen noch wollen wir Gehörlose für ein künstlerisches Projekt benutzen, vielmehr geht es darum, für Gehörlose einen Raum der Repräsentation zu schaffen und dort einen kontinuierlichen und ernsthaften künstlerischen Dialog zwischen Gehörlosen und Hörenden zu ermöglichen.
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